Was bleibt – das Maß der Dinge… Zu Silvester/Neujahr 2020/21

Grüße zum Jahreswechsel, VT am 31.12.2020

Liebe Viernheimer*innen,

Ich fand es schon immer bemerkenswert, dass man sich zu Weihnachten so besinnlich und innerlich gibt, während man Silvester und Neujahr so krachend feiert. Umgekehrt wäre es genauso denkbar, schließlich ist das erste ein Fest der Freude – und das nächste durchaus ein Anlass, zu bilanzieren. 

Nun, dieses Jahr wird weniger gefeiert, jedenfalls weniger krachend. Tierschützer haben es sich schon immer gewünscht, Unfallärzte, Krankenpfleger und Rettungsdienste sowieso. Auch in Sachen Feinstaubemissionen werden an Silvester regelmäßig Rekordwerte erzielt, die nicht jedem gefallen. An manchen Plätzen sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld, und es ist die ehrenvolle Aufgabe mancher Anwohner, gleich am ersten Tag des neuen Jahres unfassbare Mengen an Dreck zu entsorgen. Aber man hat es getan, weil man es immer so tat, und nicht infrage gestellt. Aber jetzt. Gut oder nicht? Soll es so bleiben? Oder was soll so bleiben?

Im März mussten viele Arbeitgeber ihre Mitarbeiter im Home-Offices schicken. Für wenige eine bekannte Routine, für viele völlig fremd, für manche Führungskräfte bis zu diesem Tag komplett undenkbar. Videokonferenz statt Sitzung. Der eine im schon Jahre bestehenden eigenen Büro im eigenen Haus, andere mit kleinen Kindern in der Dreizimmerwohnung – mit parallelem „Home Schooling“. Bei vielen Firmen ging das recht schnell und reibungslos, bei Behörden und Institutionen durchwachsen, in Schulen oftmals katastrophal. Unternehmen entwickelten hybride Modelle, für wen und wann es sinnvoll und machbar ist, im Home-Office zu sein und sind damit erfolgreich. Bei der öffentlichen Hand alles ein wenig langsamer. Im politischen Leben waren einige mit Online-Konferenzen genauso gewandt wie in der Präsenzkultur, andere kommen immer noch nicht damit zurecht. Die Digitalisierung, sie zeigt ihre Macht und Notwendigkeit in der Stunde, wo wir dem alten Trott entsagen müssen. Jetzt. Gut oder nicht? Soll es so bleiben? Oder was soll so bleiben?

Wer im Frühjahr den Kopf nach hinten beugte, sah vielleicht erstmals seit Jahrzehnten einen Himmel ohne Kondensstreifen. Kein Skiurlaub zu Ostern, Kreuzfahrten plötzlich auch nicht mehr so attraktiv. Keine neuen Staurekorde mehr auf den Nord-Süd-Verbindungen unserer Autobahnen. Und all das praktisch in einem Vollbremsmanöver; war doch alles, was mit Freizeit und Unterhaltung zu tun hatte, in den letzten beiden Jahren auf ein schier berstendes Ausmaß angeschwollen. Wie groß ist der Schaden für diese Wirtschaftszweige, wie groß dagegen der Nutzen für Lebensqualität und Klima auf der anderen Seite? In den Wirren der Pandemie vergessen wir die viel bedrohlichere Klimakatastrophe. Gut oder nicht? Soll es so bleiben? Oder was soll so bleiben?

Tragische Situationen in Gastronomie, Kunst und Kultur. Im Sommer dann zunächst unverständliche Lösungen; wieso kann man nicht ins Theater, aber in einem Flugzeug sitzen? Die Gastronomie investiert erheblich in sichere Lösungen, bei gleichzeitigem Umsatzeinbruch, offizielle Hilfe ist oftmals nicht ganz nachvollziehbar. Von den Menschen, die von der Musik, Darbietung und Ausstellung leben, ganz zu schweigen. Pizza To Go, Gottesdienst im Internet, Kinoabend zu Hause? Gut oder nicht? Soll es so bleiben? Oder was soll so bleiben?

Wir gehen durch alle Bereiche unseres Lebens und sehen einschneidende Veränderungen, fühlen Althergebrachtes bedroht, sehen Chancen im Neuen. Ich persönlich begrüße Veränderungen, sehe Chancen, blicke nach vorne! 

Dieses Silvester, ohne Knaller und große Partys, bietet die Chance, für sich persönlich und mit den engsten Angehörigen und Freunden die Fragen zum Jahreswechsel zu diskutieren und für sich zu beantworten. Was fehlt und muss wieder kommen? Was ist gut ersetzt, und soll so bleiben? Welche Veränderung ist in welchem Maß die Richtige?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie die für sich richtigen Antworten finden, Gesundheit sowieso und immer viel Freude und Erfolg bei all Ihren Vorhaben.

Herzlichst

Thomas Klauder

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

Verwandte Artikel