Leserbrief VT – „Kinder, Gärten, Kindergärten“

Kinder, Gärten, Kindergärten

Rückblick auf einen rasanten Viernheimer Diskurs – und ein paar grundsätzliche Gedanken zum Thema.

Dem aufmerksamen Leser der gedruckten und digitalen Medien wurde in den letzten Wochen und Monaten ein schöner Anschauungsunterricht für gelebte Kommunalpolitik geboten. Rekapitulieren wir!

In einem sehr schnellen Verfahren wurde die Stadtverwaltung dem dringenden Bedarf an Kindergartenplätzen gerecht und in Windeseile entstand auf dem Sportplatz ein schönes Gebäude. Zur Zufriedenheit von Stadt, Träger, Angestellten und Eltern eingeweiht am 30. Oktober. 

Lebendige Demokratie

Rund um die Übergabe war ein intensives Einander-Beharken der Protagonisten der beiden gegensätzlichen Standpunkte zu beobachten, ganz im Sinne von „brauchen wir das, warum so schnell und stimmt denn überhaupt die Datenlage?“ Es ging analog und digital, hoch hin und her, mit viel Emotion. Gut so, denn wenn man für etwas steht, darf man auch dafür Leidenschaft entwickeln. Churchill wurde bemüht beim in Frage Stellen des Wahrheitsgehaltes von Statistiken und am Ende gab es sogar Vorschläge für Kommunikationsregeln. Mindestens spannend für den Leser, sicherlich auch mit Gelegenheit zur emotionalen Anteilnahme, von großem Unterhaltungswert auf jeden Fall!

Neue Wege parallel

Währenddessen gelang der CDU ein cleverer Coup; eingebaut in eine konsistente strategische Kampagne der Bürgerbeteiligung, Themensammlung (und natürlich der Eigenwerbung) schlägt die Idee vom Kindergarten-Bauernhof in der Öffentlichkeit ein und bewirkt gleich zwei große Dinge: 1) Es gibt gute Ideen und beispielhafte Lösungen auf der Welt, in Viernheim müssen wir über solche unbedingt nachdenken. 2) Zur Erziehung zu Integrität und Humanität gehören Berührungspunkte unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten und Offenheit für Kombinationen in einer sich verändernden Gesellschaft. Jetzt kann man natürlich trefflich streiten, wie und ob man denn in Viernheim einen Bauernhof- Kindergarten hinkriegt, spannend allemal, ein gutes Ziel sowieso!

Kinder im Garten und noch viel mehr

Die Diskussion ist eröffnet und der Bauernhof-Kindergarten der richtige Startpunkt! Fassen wir es weiter und beleuchten das Prinzip „Kinder und Gärten“: wenn man den Hof nicht sofort bekommt, warum nicht beginnen mit einem weiteren Waldkindergarten? Warum nicht Initiativen mit umliegenden Landwirten starten zum Zusammenbringen der Erziehungsarbeit hier und da. Ein Kindergarten muss nicht zwangsläufig in der Stadt sein, es gibt viele geeignete Außenbereiche. Und hat schon jemand darüber nachgedacht, auch ältere Menschen in das Thema miteinzubeziehen. Auch dafür gibt es Beispiele, und dass die Alten nach den Kleinen schauen ist uraltes Menschheitsprinzip, das wir nur seit einigen Jahrzehnten vergessen haben – jedenfalls im öffentlichen Erziehungswesen. Warum nicht auch den Zusammenschluss mit Vereinen, Institutionen, ja sogar Firmen und Freiwilligen aller Art suchen? Ist die Erziehung unserer Kleinsten nicht auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe denkbar und realisierbar? Aus meiner Sicht ist jetzt ein wertvoller Gedanke in der Viernheimer Öffentlichkeit: das Zusammenbringen von Mensch und Natur, das Denken über bestehende Grenzen hinweg, das Schaffen von gesellschaftlicher Integrität und bürgerlichem Zusammenhalt – mit Kindern im Garten!

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