Exklusiv-Interview im VT vom 10.10.20

Das Viernheimer Tageblatt hat mich zum Exklusiv Interview gebeten, dem bin ich natürlich gerne nachgekommen. Freundlicherweise habe ich den Text bekommen, den ich hier für bessere Leserlichkeit gerne teile.

  • Herr Klauder, vor etwas mehr als einer Woche haben Sie Ihre Bürgermeister-Kandidatur öffentlich gemacht. Wie war die Resonanz auf diesen Schritt?

Gestatten Sie mir, dass ich sage: „Umwerfend!“. Die Menschen, mit denen ich mich zuvor beraten hatte und die mir zugeraten haben, und ich, wir waren schier überwältigt von der Kraft und dem inhaltlichen Zuspruch der Reaktionen, die kamen – durchweg positiv, was ich als großes Kompliment und Vertrauen in meine Person interpretiere. Uns war natürlich bewusst, dass die Nominierung eines dritten Kandidaten ein deutliches Echo auslösen würde, aber wir waren von der Intensität doch sehr positiv überrascht.

  • Gab es Rückmeldungen, die Sie besonders erfreut und oder überrascht haben?

Es war großartig, dass Menschen spontan auf mich zugegangen sind und mich beglückwünscht und bestärkt haben, das ist reichlich geschehen. Am beeindruckendsten ist natürlich, wenn es Menschen sind, die man politisch eher anderweitig verortet, davon gab es in der Tat genug – das hat mich sehr berührt.

  • Sie haben bei Ihrer Vorstellung gesagt, dass sie richtig Lust haben auf das Amt. Wird das in den kommenden Monaten der entscheidende Faktor sein, die Bürger überhaupt zu überzeugen auch zur Wahl zu gehen? Viernheim ist ja eher bekannt für seine niedrige Wahlbeteiligung. 

Ich glaube, dass ich mit meinem Profil, wie es bisher in Viernheim wahrgenommen wurde, meinen beruflichen Erfahrungen und meinen Schwerpunkten ein Angebot biete, was Viernheim momentan nicht hat. Ich bin fest davon überzeugt, ich kann Menschen ansprechen, die sich bisher nicht besonders für die Verwaltungsspitze oder die kommunale Politik interessiert haben. Ich weiß, dass ich Menschen begeistern und mitnehmen kann, wenn ich mit ihnen spreche, und das werde ich mit großer Freude tun. Es ist mir ein großes Anliegen, Menschen für Politik und Zusammenleben zu gewinnen – jeder trägt Verantwortung!

  • Kommen wir etwas zur Person Thomas Klauder. Wann und wieso haben Sie angefangen, sich für Politik zu interessieren und dann letztlich auch zu engagieren?

Solange ich denken kann, war ich nie einfach nur Teil einer Organisation, ich wollte mich immer beteiligen, mitgestalten, führen. Sei es in der Schule, Jugendgruppen, Studium, Bundeswehr, bis hin zu meiner Laufbahn in der Privatwirtschaft. Ich war immer für eine Sache engagiert, ich kann gar nicht anders. Wer mitreden und gestalten will, ist von Natur aus ein politischer Mensch. So war es klar, als ich vor zehn Jahren meine Industriekarriere zu Gunsten meiner Selbstständigkeit in Viernheim beendete – und damit „wieder hier“ war -, dass ich mitmachen wollte. Neben einigen Ehrenämtern bin ich dann auch in die Politik eingestiegen. Es ist auch ein sehr wichtiger Aspekt des Gebens und Dienens für mich. Die Gesellschaft hat mir viel ermöglicht, da will ich etwas zurückbringen.

  • Gab es für Sie ein politisches Vorbild und wenn ja warum gerade diese Person?

Davon gibt es sogar einige; als junger Erwachsener hat mich Heiner Geißler sehr geprägt, mit dem ich später im Rahmen einer Firmenveranstaltung sogar einen Abend verbringen durfte. Seine Integrität, umfassende Bildung und Menschenorientierung und sein solides Wertesystem haben mich sehr inspiriert. Als Mensch, der Innovationen und Veränderung sehr schätzt, hat mich Joschka Fischers Fähigkeit sich mehrmals neu zu erfinden und auszurichten, ebenso beeindruckt, zumal später als international geschätzter Außenminister. Und in der Jugend, klar, Willy Brandt, der ein Star war – wobei mir allerdings erst später klar wurde, mit welcher visionären Kraft er Politik zu gestalten in der Lage war. Aktuell bin ich mir unsicher, ob ich Robert Habeck oder Annalena Baerbock besser finde (lacht) Dann gibt es da noch ein paar, für ein anderes Mal…

  • Auch wenn Selbsteinschätzungen schwerfallen: Welche Ihrer Charaktereigenschaften glauben Sie sind von Vorteil für das Amt des Bürgermeisters? 

Ich bin froh, dass mir das nicht so schwerfällt, ich kenne mich ziemlich gut und bin ein selbstkritischer und -reflektierender Mensch. Ich sehe mich stark in der Kommunikation und ich glaube, dass ich, empathisch und lösungsorientiert, unterschiedliche Interessen herausarbeiten und zusammenbringen kann. „Führung“ oder „Management“ verstehe ich als Dienst an den Beteiligten, der einen Mehrwert darstellen muss. Diese Haltung hat mich bisher erfolgreich gemacht und ich bin davon überzeugt, sie wird mir wieder eine gute Basis geben. Ich denke in Beziehungen und Netzwerken, immer auch über meine Aufgabe hinaus, und habe Freude dran, Chancen zu suchen und wahrzunehmen. Mein Handeln ist werte- und zielorientiert, mein Stil wertschätzend.

  • Wie wichtig ist Ihre Familie und Ihre Freunde für das Ziel Bürgermeister? 

Unsere Kinder sind schon erwachsen, sie halten uns auf ihren Lebenswegen auf dem Stand der Modernität und beanspruchen nicht mehr viel Zeit von uns. Ohne die Unterstützung meiner Frau wäre ich nicht angetreten, sie ist mir seit 29 Jahren wertvolle Ratgeberin, Quelle von wichtigem Feedback, Inspiration, Korrektiv und Sparringspartnerin. Freunde müssen vielleicht gelegentlich zurückstecken, ich hoffe, das darf ich von meinen Freunden erwarten?

  • Welche Hobbys üben Sie aus? 

Klar, dass ich die Natur und alle Aktivitäten darin liebe, wir wandern, fahren Rad, machen Spaziergänge. Auch Essen und Trinken mit all seinen Facetten, von der Produktion bis hin zu dem, was wie auf den Tisch kommt, ist uns seit Jahrzehnten ein großer Lebensinhalt. Das teilen wir gerne mit unseren Familien und Freunden; gemeinsames Kochen, Tischgemeinschaft und gute Gespräche sind uns wichtig. Wir sind leidenschaftlich gerne gleichermaßen Gastgeber und Gast, wobei uns momentan Corona die Fahrt rausnimmt. In dem Kontext Nahrung ist auch mein Engagement für die Solidarische Landwirtschaft und SlowFood verortet. Heißt aber auch, ich möchte (und muss;)) Sport machen, am liebsten laufe ich zwei bis dreimal pro Woche früh morgens, um den Tag zu beginnen. Auch ist ein Leben ohne Lektüre für mich nicht denkbar, ich lese täglich, manchmal mehrere Bücher gleichzeitig, dazu Nachrichtenmagazine und Fachzeitschriften. 

  • Viernheim ist seit 1994 Brundtlandstadt. Können Sie uns Beispiele nennen, wo Viernheim ökologisch Nachholbardarf hat?

Das würde ich jetzt am liebsten in einem separaten Gespräch abhandeln, denn Ideen gibt es genug, nur um einige wenige zu nennen: die Förderung der Produktion und des Vertriebes regionaler und saisonaler Nahrungsmittel, privater und öffentlicher Gärten, die die Biodiversität und Klimawirksamkeit unterstützen. Unterstützung jeder privaten oder vereinsmäßig organisierten Initiative zu diesen Themen, lokaler Ausbau von Photovoltaik und klimaneutraler Mobilität. Warum können öffentliche Gebäude nicht komplett mit Fotovoltaik ausgestattet werden? Angebot von Beratungsleistungen für ökologisches Wirtschaften von Firmen. Urban Gardening, Rückbau von betonierten Flächen zugunsten grüner Oasen… Menschen tragen uns eine schier unerschöpfliche Fülle von Ideen zu, die gilt es denn zu sortieren, Machbarkeit zu prüfen und konsequent umzusetzen. Aktuell ganz witzig: die Forderung nach öffentlichen Leihfahrrädern wurde jahrelang als unnötig abgetan – und da schau an, wer jetzt so prominent das Projekt präsentiert….

  • Nicht erst seit der Corona-Krise ist die Viernheimer Stadtkasse leer. Kann ein Bürgermeister-egal wie er heißt-überhaupt seine Ideen umsetzen oder muss nicht erst eine Änderung auf Bundes-und Landesebene her?

Zunächst einmal muss jedem klar sein, dass der Bürgermeister von Viernheim nicht der Kaiser von Viernheim ist und einfach schalten und walten lassen kann. Mein höchster Respekt gilt den demokratischen Prozessen und ich werde einen Eid auf die Gesetze leisten. Das schränkt jeden Bürgermeister in seinem Tatendrang im Sinne der Zivilisation ein, Gott sei Dank! Als Kaufmann sage ich, ich muss schauen, was reinkommt, und ich muss schauen, was rausgeht – zwischendrin bleibt etwas, und auf das habe ich als Ideengeber und Moderator im Rahmen der oben genannten Bedingungen Einfluss. Ansiedlung von Unternehmen, Förderung von Start-Ups, Aufbau von Gründerszenen und deren Vernetzung ins Viernheimer Geschäftsleben, bessere Präsenz in der Welt von Gewerbe und Industrie wirken auf die Einnahmen – nur um eine von vielen Einflussgrößen zu nennen. Ich glaube, hier gibt es sehr viel zu tun. Was die Bundes- und Landesebene betrifft, glaube ich, dass man sich in diese Diskussionen über die Stadt hinaus eben aktiv einbringen kann. Auf „besseres Wetter warten“ kann keine erfolgreiche Strategie sein.

  • Sie sprachen bei der Vorstellung des Öfteren von „ihrem Team“. Wie wichtig wird die Unterstützung aus den eigenen Reihen für den Wahlkampf werden?

Essentiell! Das stemmt niemand alleine. Was für meine Familie gilt, gilt auch für unser Wahlkampfteam. Ohne deren Unterstützung wäre es nicht möglich. Ich bin stolz auf unsere Leute und glücklich darüber, dass wir in dieser Sache eine so große Motivation spüren – auch wegen des intensiven Zuspruchs seitens der Bürger und der Parteileute bis auf die Bundesebene – und dass wir wie elektrisiert in diesen Wahlkampf gehen. Wir erfahren viel Zulauf junger Menschen für unsere Sache, das gibt Kraft und Momentum.

  • Wie wichtig wäre es für den Bürgermeister Thomas Klauder in seiner Arbeit, dass in der Stadtverordneten-Versammlung möglichst viele GRÜNE-Stadtverordnete sitzen?

Über allem anderen steht, dass ich der Bürgermeister aller Viernheimer und aller Parteien sein will – und als solcher es ist mein Ziel, Sachargumente der Parteipolitik vorzuziehen, für Ausgleich, Kompromiss, Handlungsfähigkeit und Zielerreichung zu sorgen. Es darf nicht geschehen, dass man in die eine oder andere Richtung nicht miteinander spricht. Das muss jenseits jeglicher Parteisolidarität gelten. Es sei mir aber als Grünem vergönnt, erfreut zu sein, dass wir im Aufschwung sind, auch in Viernheim, das darf ich, gell? (lacht)

  • Derzeit steigen auch in Viernheim die Corona-Zahlen wieder an. Man muss kein Hellseher sein, um zu behaupten, dass der Wahlkampf ein anderer sein wird als bisher gekannt. Wie sehr wird dieser Virus Ihre Arbeit als Bürgermeister-Kandidat beeinflussen? 

Es muss gelten: bei Corona gibt es keine Kompromisse, im Freien und mit Abstand kann man viel machen, drinnen eben nur ganz wenig. Die Hygienestandards sind einzuhalten. Das wird uns aber nicht davon abhalten, mit Menschen zu sprechen, Fragen zu stellen, zuzuhören, und uns mit unseren Nachrichten an eine breite Öffentlichkeit zu wenden. Die Digitalisierung bietet vielfältige Möglichkeiten und wir haben noch lange nicht alle genutzt. Außerhalb der digitalen Möglichkeiten gibt es auf der konventionellen, klassischen Ebene auch noch Ideen, die bisher noch nicht realisiert wurden. Bleiben Sie gespannt!

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